Gerichtsstube im Gasthaus Ochsen

An der Stelle des heutigen Ochsen stand im Mittelalter ein St. Gallischer Lehenhof.

Zwischen 1453 und 1468 wird auf einem Teil dieser Hofstatt eine Wirtschaft erbaut, die gleichzeitig Taverne, Tanzhaus und Gerichtsgebäude ist.

Sie wird 1468 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und gehört zum Oberen Schloss.

Aus dem Jahr 1552 ist überliefert, dass der Wirt 17 Haupt Vieh auf die Gemeindewiese treiben darf.

Im Jahr 1569 wird erstmalig von Wirtschaft und „Bräulin“ (=Brauerei) berichtet.

Seit 1722 heißt die Wirtschaft zum „Ochsen“.

Das Kegeln im Ochsen findet erstmals 1734 Erwähnung.

1739 wird der Pranger am Ochsen erneuert.

Nachdem durch das Brauen die Wirtschaft in einen schlechten Zustand geraten ist, erbaut die Herrschaft 1761 eine neue Wirtschaft. Die Jahreszahl und ein Doppelwappen Ratzenried/Stauffenberg sind auf Türsturz der Eingangstüre sichtbar. (Erklärung: Der damalige Herr von und zu Ratzenried, Johann Anton Franz, war mit Cath. Schenkin von Stauffenberg verheiratet)

Der Ochsenwirt Josef Wun erhält 1820 zusätzlich das Branntweinbrenn- und Brotbackrecht.

Eine überdachte Schießstatt beim Ochsen wird 1824 erwähnt.

1832 gehören zum Ochsen 33 Morgen Äcker und 44 Morgen Wiesen.

Um 1900 werden Stall und Scheuer abgebrochen, die zur Wirtschaft gehörige Landwirtschaft wird aufgelöst, die Grundmauern der Scheuer umgeben den heutigen Ochsengarten.

Auf Initiative des Heimatvereins hat ein junger Künstler (Volker Mägdefrau) unter der Anleitung von Walter Schautz 1998 eine Prangerstatue aus Stein geschaffen. Sie steht heute in der Prangernische und soll an die frühere Unterdrückung der Frau erinnern.

Quelle: Heimatverein Ratzenried Verein zur Pflege von Heimat und Brauchtum Ratzenried e.V.